Zwischen Bühne und Liebe: Wie ich Traurednerin wurde
- Mirjam Zipf
- 8. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
2026, und ich schreibe den allerersten Blogeintrag meines Lebens.Zu meiner Zeit hat „man“ Tagebuch geschrieben, dieses mit einem Schloss versiegelt und gehofft, dass niemand es jemals lesen würde. Und heute? Schreibe ich meine Gedanken auf und teile sie mit der Welt. Was hat sich in den letzten Jahrzehnten alles verändert?
Viel. Sehr viel. Das Einzige, was im Leben beständig ist, ist die Veränderung. Das Leben ist ein Fluss – immer in Bewegung. Und so kommt es, dass eine ausgebildete Musicaldarstellerin heute freie Trauungen hält und diese auch musikalisch untermalt.
„Mama, wie bist du eigentlich dazu gekommen, Trau Rednerin zu sein?“, fragte mich meine Tochter, als sie mitbekam, dass ich diesen Blog schreibe. Und genau dieser Frage möchte ich hier auf den Grund gehen.
Schon als Kind liebte ich es, Menschen zu unterhalten, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sie emotional zu berühren und Geschichten zu erzählen. Sie mitzunehmen auf eine Reise – weg vom Alltag, hinein in eine bunte, lebendige Welt.
Ich bin davon überzeugt, dass das Leben in Bewegung bleiben muss, um wirklich lebendig zu sein. Und das, was mich dabei immer bewegt und motiviert hat, war und ist: die Liebe.
Die Liebe ist die Grundlage für alles und für all mein Tun. Ohne sie ist alles Schall und Rauch – für mich. Sie ist Anfang und Ende. Und genau das führt mich zum Thema Heiraten, freie Trauungen und meiner Aufgabe darin.
Ich habe viele Jahre in Großproduktionen der Musicalwelt gearbeitet und durfte Teil leidenschaftlicher Teams sein, die Geschichten auf die Bühne brachten. Später gab ich meine Begeisterung für Gesang, Schauspiel und Tanz weiter, bildete mich fort, kreierte eigene Stücke und brachte sie gemeinsam mit anderen auf die Bühne. Alles war im Fluss.
Und dann passierte das Leben. Gefühlt zerbrach meine Welt: der Kontaktabbruch zu meinem Vater, das Ende meiner Ehe, der Verlust meines Glaubens, Corona. Alles veränderte sich.
In den Jahren 2020 und 2021 wurde kaum geheiratet. Hochzeiten wurden verschoben und häuften sich schließlich 2022 und 2023. Es gab mehr Hochzeiten als Trauredner:innen – und so kam ich ins Spiel.
Eine gute Freundin, heute auch Kollegin, schubste mich ins kalte Wasser. Sie meinte: „Du redest gut, singst gut, erzählst gerne Geschichten und liebst Menschen – go for it! Ich helfe dir beim Einstieg. Die Hochzeit ist in zwei Wochen, aber das schaffst du!“
Ein Einstieg der besonderen Art. Aber ich bin genau so jemand: Ich lerne am besten, wenn man mich ins kalte Wasser wirft.
Und so begann alles. Es machte mir unglaublichen Spaß, und auf meinem eigenen Heilungsweg durfte ich durch meine Paare so viel über die Liebe lernen. Ich hörte zu, stellte Fragen, studierte ihre Geschichten und freute mich mit ihnen.
Nun bin ich hier, im Jahr 2026. Ich liebe es, Liebesgeschichten zu hören, sie zu durchleuchten und zu erzählen. Ich liebe es zu sehen, wie unterschiedlich Beziehungen sind und wie Liebe und Kommunikation immer das verbindende Element bleiben.
Ich glaube an den Sinn dieser Bindung, an die Kraft der Liebe und an das Sichtbar- und Spürbarmachen durch Rituale, Symbolik und das Teilen mit den Liebsten.
Die Liebe ist der Anfang und das Ende. Und ich fühle mich reich beschenkt, meine Paare an dem Tag ihrer freien Trauung begleiten zu dürfen.
Denn am Ende schreibt das Leben selbst die schönsten Geschichten.


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